Archive for Dezember, 2009

Konzertkritik in der Neuen Westfälischen

Samstag, Dezember 5th, 2009

ICH WAR NOCH NIEMALS BEIM FRISEUREVier Chöre begeistern in der Oetkerhalle
Ein Bericht von Nadine Möller in der NW  von Montag den 30. November 2009

Bielefeld. „TerzInTakt“ verwandelt die Oetkerhalle in einen Friseursalon. Gemeinsam mit drei weiteren Chören aus Bielefeld stehen sie vor einem vollen Saal und besingen allerlei Haariges.

Dem Publikum wird an diesem Abend ein buntes Programm mit verschiedenen Musikrichtungen, Choreografien und Emotionen geboten. Aber vor allem präsentieren die Laienchöre ihr musikalisches Können.

„Ich war noch niemals in New York“ wird im lustig-tragischen Programm „Haarsträubend“ von TerzInTakt zu „Ich war noch niemals beim Friseur“. Sie haben passend zum Thema bunte und strubbelige Perücken dabei, blättern in Modezeitschriften, beklagen sich über Haarausfall und Spliss und loben Alfredo, den besten Friseur der Welt .

Mit Haaren hat „KlangArt“ dagegen nichts zu tun. Sie singen im Lied „superkalifragilistisch expiallegetisch“ aus Mary Poppins von etwas überirdisch Schönem, das zerbrechlich ist und sühnen muss. Das bedeutet nämlich das Kunstwort aus dem Musical. Dann geht es mit den Sängern und Sängerinnen nach Schweden, um später bei irischen Volksliedern anzukommen.

Berechtigt ist die Frage nach dem roten Faden des Programms, der durch die Kleidung des Chors dargestellt wird: Alle tragen schwarze Kleidung mit roten Schals als Gürtel oder andere Accessoires in Rot. Thomas Wolff, Schauspieler am Stadttheater, stellt am Ende fest, dass dieser Faden eigentlich die Musik an sich ist – also ein roter Faden, der sich durch den gesamten Abend zieht.

„Quintenkomplott“ hat den Ruf, ein ernster Chor in der freien Szene zu sein, und dem wird er auch an diesem Abend gerecht. Gekleidet in Schwarz-Weiß singen sie klassische Volkslieder und Gedichtvertonungen von Rilke und Heine, die einen melancholischen Grundton haben. So bilden sie den ernsten Part der Veranstaltung.

Nach Quintenkomplott betritt eine bunte Gruppe die Bühne – die „Chit Chat Company“. Sie bringt am Ende des Abends mit ihrer Choreografie noch mal Bewegung in die Veranstaltung. Als einziger Chor mit Gitarren-Begleitung starten die Sängerinnen und Sänger mit einem Lied von den „Mamas and the Papas“, um sich dann dem Jazz über den Song „My Favourite Things“ zu nähern und mit „Bebop“ voll ins Genre einzusteigen.

Am Ende der Vorstellung bekommen auch die musikalisch Begabten im Publikum noch mal die Gelegenheit, mit allen vier Chören gemeinsam zu singen. Danach gehen alle zufrieden nach Hause – Applaus gab es jedenfalls reichlich.

Insgesamt ein runder, unterhaltender Abend mit vielen Lachern, etwas Melancholie und toller musikalischer Leistung der Chöre.