Chorprobe geschwänzt
Manchmal darf auch eine Chorprobe geschwänzt werden. Wenn ein wichtiger Grund vorliegt.
Für mich lag er vor, durch Herman van Veen, der in unserer neuen Synagoge, ein Konzert gab. Das wollte und konnte ich mir nicht entgehen lassen: Den Liedermacher meiner Jugendzeit wieder zu hören, das ganze mit Gedichten von der 1945 umgebrachten Poetin Selma Meerbaum-Eisinger und zudem die neue jüdische Synagoge von innen betrachten.
Die mentale Kraft von Hermann van Veen ist bewundernswert. Ein Mann und eine Stimme wie ein Baum. Aufrichtig, gerade heraus, dem Wind trotzenden, und doch sensibel bis in die letzten Zweiglein seines Geästes.
Und immer noch singt er mit dem deutlich hörbaren niederländischen Klang in der Stimme. Ein großartiges Konzert, das er zusammen mit Edith Leerkes gab.
Die NW schrieb: ” Van Veen ist beneidenswert frei von jedem Betroffenheitsgestus”.
Das stimmt. Und er ist auch frei von Geschichtsverklärungen. Die junge Dichterin die mit 18 im KZ starb und deren 57 Gedichte aus dem Lager herausgeschmuggelt wurden, wurde von Deutschen umgebracht. Nicht von Nazis, wie dies hierzulande verlautbart wird.
Aber das kann wohl nur ein Holländer so gerade heraus sagen
°v°